Die Komfortzone verlassen fällt immer wieder schwer. Doch wer mich kennt, der weiß, ich rede nicht nur, ich handle. Veränderungen bringen Verwandlungen und Verbesserungen mit sich und genau so trafen das Projekt “Shaping Futures” und ich aufeinander. Indien ! Ja ich war schon in Thailand und Vietnam, aber Indien sollte anders werden. Die ersten Kontake mit Monique Müller (Schwarzkopf), sie ist die jenige die das Projekt vor Ort leitete, waren sehr sympathisch. Voller Aufregung, was mich wohl vor Ort erwarten würde, traf ich Ende September auf dem größten Markt in Delhi, dem Chandni Chowk, Monique wieder.

Jeden Morgen begrüßten uns die Studenten, schon am Eingang wartend, mit einem Good Morning Madam / Good Morning Sir. Das waren Monique Müller, Ines Schilling, Roland Schwan und ich. Wie sich im Laufe der 14 tägigen, wild zusammen gewürfelten Trainergruppe heraus stellte, war dies die perfekte Mischung. Hatte ich Erwartungen, wie es sein sollte indische Teenager auf den Friseurberuf vor zu bereiten? Junge Menschen, die in ihre Familien für einen bestimmten Zeitraum von SOS betreut und unterstützt werden.Ein paar hatte ich, nur wurde ich eines Besseren belehrt. Teenager, ob in Indien oder in Deutschland, ich konnte sehr viele Parallelen feststellen. Die andächtige Ruhe, wenn in der ersten Unterrichtsstunde Fragen zum Unterrichtsinhalt des letzten Tages abgefragt werden. Wie laut jemand sprechen kann, wenn Pause ist und im Unterricht hört man keinen Ton. Freude über den ersten geglückten Dauerwellwickler ( ohne Spitzenpapier), Hochsteckfrisuren, Haarschnitte und Strähnen. Persönliche Schicksale, die mich sehr ergriffen haben, jungen Frauen, die man sich als mitteleuropäische Frau einfach nicht vorstellen kann. Ein junger Mann (keine 18 Jahre alt), der mehrere Kinder hat und die ganze Familie ernähren muss, alles hängt von seinem Erfolg ab. Schaffe ich es, dieses Diplom zu bekommen, kann ich meiner Familie ein besseres Leben bieten? Studenten die durch ein kleines Erfolgserlebnis so aufgeblüht sind, das es mir nur beim Gedanken daran, ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Und ja, auch sie musste man mit Hausaufgaben beschäftigen und genau wie es überall auf der Welt ist, hat die Hälfte sie nicht gemacht, bzw. hat sie eins zu eins kopiert. Kurz um, viele Dinge ähneln sich, Teenager mögen halt überall auf der Welt Handy-s mit schallender Musik lieber, als Hausaufgaben machen und doch genießen sie die kleinen, hart erkämpften Erfolge der Handwerkskunst. Die Dankbarkeit, die uns bei unserer Verabschiedung entgegen strömt ist nicht in Worte zu fassen, Tränen, kleine & große Gesten, Umarmungen, Bilder &  Briefe, ganz wunderbare Erinnerungen an eine sehr sinnvolle Zeit.